Ökumenischer Kirmes-Gottesdienst in Essen-Borbeck bringt Kirche auf den Autoscooter

Wo sonst der Autoscooter zum Mitfahren einlädt, erklingen Gebete und Kirchenlieder: Beim ersten ökumenischen Kirmes-Gottesdienst auf dem Schloßparkfest in Essen-Borbeck haben drei christliche Gemeinden den historischen „Selbstfahrer“ von Schaustellerfamilie Richard Müller zur Freiluft-Kirche umfunktioniert.
„Bei Gott gibt es keine Nieten!“ Als Gemeindereferentin Andrea Kemmer aus der Pfarrei St. Dionysius am Sonntagmorgen über Gottes Liebe zu den Menschen spricht, passen Inhalt und Umgebung ihrer Ansprache perfekt zusammen: Drei christliche Gemeinden in Essen-Borbeck haben zum ersten ökumenischen Kirmes-Gottesdienst auf dem Schloßparkfest eingeladen. Thema ist „Das große Los“ – und das haben für die nächsten 45 Minuten auf jeden Fall diejenigen gezogen, die einen Platz in den über 50 Jahre alten Fahrzeugen des historischen „Selbstfahrers“ der Essener Schaustellerfamilie Müller ergattert haben. Alle anderen der über 120 Gäste dieses ungewöhnlichen Gottesdienstes sitzen auf Bierbänken auf den Metallplatten der Fahrbahn oder lehnen sich an den Zaun des Fahrgeschäfts, wo früher die coolen Jungs mit Haartolle und Lederjacke standen.
Stilecht eröffnet Pastor Timo Meyer von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde am Weidkamp - Kirche für Borbeck – den Gottesdienst nicht mit einer Glocke, sondern mit der Fanfare des Autoscooters.
Dann spricht die katholische Seelsorgerin Kemmer über das „große Los“, den Hauptgewinn auf der Kirmes oder im Leben. Gott finde in seinem Lostopf den Namen jedes einzelnen Menschen, sagt sie, „und jede und jeder ist für ihn ein Hauptgewinn“.
Mit Fürbitten, in die auch die Schaustellerinnen und Schausteller eingeschlossen werden, dem gemeinsamen Vaterunser, dem Segen der drei Seelsorgenden und einem kräftigen Applaus endet der Gottesdienst – und ringsum öffnen nach und nach die Kirmesbuden.